1. Herr Huber, Gratulation nochmal zum Nachwuchs! Wie geht es Ihnen jetzt zu dritt?

Vielen Dank für die Glückwünsche. Uns geht es sehr gut und wir genießen unser Glück zu Dritt. Ich finde, es ist eine wunderbare Aufgabe Helena ein liebevolles Zuhause zu geben, in dem sie sich gedeihlich entwickeln kann. Langsam gewöhnen wir uns auch an den etwas anderen Tag-Nacht-Rhythmus, den unsere Tochter hat… Und weil mich nach dem Artikel im Alt-Neuöttinger Anzeiger so viele Nachfragen zum selbst zusammengebauten Wickeltisch erreicht haben: ja, er steht noch (lacht).

 

  1. Und wie geht es Ihnen persönlich nach zwei Jahren im Pandemie-Modus?

 

Wir alle sind Corona-müde und wünschen uns lieber heute als morgen das Ende der notwendigen Beschränkungen. Ich bin froh, dass uns die jetzige Situation weitere Öffnungsschritte ermöglicht. Mir persönlich geht es gut, aber ich denke vor allem an die vielen Menschen, die besonders von der Corona-Pandemie betroffen waren oder sind – zuallererst das Pflegepersonal und alle, die von Kurzarbeit betroffen waren und sich Sorgen um ihre Existenz gemacht haben. An die Einzelhändler, Kunst und Kultur, die Kinder und Jugendlichen, die jetzt glücklicherweise schon seit einiger Zeit wieder in Präsenz in den Kindertageseinrichtungen und Schulen zusammenkommen können – auch wenn die Ansteckungen gerade fast jede Klasse betreffen.

 

  1. Wie wirkt sich diese Corona-Situation auf Ihre politische Arbeit aus?

 

Mir liegt sehr viel am persönlichen Austausch mit den Menschen und am direkten Kontakt. Das fehlt mir und lässt sich über Telefon und Videoschalte nur geringfügig abfedern. Auf der anderen Seite haben sich viele Fahrtzeiten deutlich reduziert, weil viele Sitzungen eben nicht in Präsenz sondern über Video stattfinden. Gleichzeitig bedeutet dies eine mögliche engere Taktung, weil die fehlenden Fahrtzeiten wieder für eine Videokonferenz genutzt werden können. Außerdem bieten mir Videokonferenzen von zu Hause gerade mehr Möglichkeiten, mich um meine Frau und meine Tochter zu kümmern. Ich hoffe, dass wir in der Zeit nach Corona die Vorteile von Präsenz und Online kombinieren können.

 

  1. Wie zufrieden sind Sie mit der Covid-Bekämpfung im Freistaat, machen Ministerpräsident Söder und Gesundheitsminister Klaus Holetschek einen guten Job?

 

Ich finde ja. Beide haben eine enorme Verantwortung zu schultern und meiner Meinung nach machen beide das hervorragend. Sowohl der Ministerpräsident als auch der Gesundheitsminister wollen Leben schützen und eine Überlastung im Gesundheitswesen vermeiden. Eine Pandemie zu bewältigen ist eine absolute Ausnahmesituation, in der es ständig neue Erkenntnisse gibt, die es neu zu bewerten gilt. Und anders als oft öffentlich dargestellt, hören beide gut zu und nehmen die Rückmeldungen aus der Fraktion auch auf. Als Beispiel sei hier die Öffnung der Kindergärten und Schulen genannt, für die ich mich gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus der Landtagsfraktion eingesetzt habe. Auch die Entwicklungen durch die neue Omikron-Variante fließen mit ein und erlauben weitere Öffnungsschritte, die von vielen sehnlichst erwartet werden.

 

  1. Und wie beurteilen Sie die Corona-Bewältigung im Landkreis?

 

Ich denke, die ist im Landkreis mustergültig. Landrat Erwin Schneider und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Landratsamt, im Gesundheitsamt und im Impfzentrum leisten ausgezeichnete Arbeit. Die Menschen in den Testzentren vor Ort ebenso. Das ist ein unverzichtbarer Beitrag, dass wir vor Ort bisher gut durch diese Pandemie gekommen sind. Dafür an dieser Stelle ein herzlicher Dank!

 

  1. Was hätte besser laufen können, wo sehen Sie Defizite – landesweit und regional?

 

Im Corona-Management ist vieles gelungen. Zur Ehrlichkeit gehört aber auch, dass die Pandemie schonungslos offen gelegt hat, wo wir verwundbar sind und besser werden müssen. Die Anwendung der Digitalisierung im Alltag, in der Verwaltung oder im Bildungswesen, aber auch die Anfälligkeit in unserer Logistik und bei den Lieferketten sind deutlich. Da sollten wir Lehren aus Corona ziehen.

Gerade bei uns in der Region müssen wir einen Blick über die Grenzen werfen: Der Austausch in der Grenzregion und die gemeinsame Koordination im Krisenfall ist ein Beispiel. Die vielen Pendlerinnen und Pendler zwischen Bayern und Österreich, die oft nicht wussten, unter welchen Regelungen sie vom Wohnort zum Arbeitsplatz kommen, standen vor großen Schwierigkeiten.

Sobald es die Umstände erlauben möchte ich gemeinsam mit den Menschen Ansätze erarbeiten, welche Lehren wir konkret aus dieser Pandemie ziehen sollten und wie wir diese am besten in die Praxis umsetzen können. Ich will das abstrakte Schlagwort Resilienz, die Widerstandsfähigkeit von Gesellschaften gegenüber Krisen, konkret für die Themen unserer Region machen.

 

  1. Ein besonderes Augenmerk wird immer auf die Kliniken gelegt. Hat das hiesige InnKlinikum die Pandemie-Anforderungen gut gemeistert?

 

Absolut und es kann hier gar nicht genug allen gedankt werden, die bis zur Belastungsgrenze und darüber hinaus gearbeitet haben, um die Folgen der Pandemie zu mildern. Die Pandemie hat unsere Kliniken mitten in der Fusion getroffen. Trotzdem wurden zügig Strukturen geschaffen und an diese Sondersituation angepasst. Die Einrichtung des Krankenhauses Mühldorf als Covid-Haus hat bundesweit Beachtung gefunden – und was mir besonders wichtig ist: Es hilft den Menschen in der Region, schnell wieder gesund zu werden.

 

  1. Hat der Freistaat alles an notwendiger Unterstützung gegeben – insbesondere für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die seit zwei Jahren im Dauerstress sind?

 

Viele Rahmenbedingungen waren und sind ja vom Bund vorgegeben. Der Freistaat hat im Rahmen seiner Zuständigkeit getan, was er konnte, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern und den Einsatz des Personals wertzuschätzen. Um nur zwei Beispiele zu nennen: die Auszahlung des landeseigenen Corona-Bonus für die Pflegekräfte und Zuschüsse für die Verpflegung des Personals in den Kliniken. Unabhängig davon bleibt die Verbesserung für die Situation der Pflegekräfte eine der drängendsten Aufgaben für die kommende Zeit.

 

  1. Sie sind nicht nur im Landtag, sondern auch im Töginger Stadtrat und im Altöttinger Kreistag vertreten. Aktuell stehen auf Kreisebene große Investitionen ins Klinikum, aber auch in die Schulen, den Campus Burghausen und den Landratsamts-Neubau an. Tragen Sie diese Entscheidungen mit?

 

Absolut ja, denn das sind Investitionen in unsere Zukunft. Eine moderne Verwaltung braucht auch die entsprechenden Räumlichkeiten. Wer unseren Landrat Erwin Schneider kennt, der weiß, dass der Landratsamts-Neubau eher funktional als feudal wird. Wie wichtig eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung ist, haben wir in den letzten beiden Jahren gesehen. Mit unseren Kliniken sind wir top aufgestellt, aber hier gilt halt auch: Zeit zum Innehalten gibt es nicht. Das ist eine Daueraufgabe. Bei den Schulen kann ich nur das berühmte Bonmot zitieren: „Es gibt nur eines, das teurer ist als Bildung: Keine Bildung.“ Deshalb sind Investitionen in Ausstattung und Räumlichkeiten richtig. Und der Campus Burghausen entwickelt sich mit seinen Studiengängen zu einem Top-Standort für die Herausforderungen unserer Zeit: Wasserstoff-Technologie, Kreislaufwirtschaft, nachhaltige Materialien – vieles was überregional an Zukunfts-Schlagworten rumgeistert, wird bei uns schon konkret gelehrt, erforscht und umgesetzt: Stichwort modernes Wirtschaften in Verbindung mit Nachhaltigkeit.

 

  1. Und das, obwohl massive Kreditaufnahmen von bis zu 32 Millionen Euro allein in diesem Jahr möglich sind? Ist das nachhaltig und in die Zukunft gewandt?

 

Das Geld wird ja nicht verfrühstückt, sondern in Strukturen investiert. Die sind für die Zukunft der Region und damit den Wohlstand der Menschen hier wichtig.

 

 

  1. Der Freistaat könnte ja mitwirken, die Schulden zu reduzieren – indem er sich an den Campus-Investitionen beteiligt, wie es gesetzlich eigentlich geregelt wäre. Wie geht es hier weiter, unterstützen Sie die diesbezüglichen Forderungen aus dem Landkreis?

 

Die bisherige Konstellation war die Grundlage für die Regionalisierung der Hochschullandschaft und wurde damals auch von allen Verantwortlichen im Landkreis Altötting mitgetragen. Bisher übernimmt der Freistaat Bayern die Personalkosten und die Sachkosten sind vor Ort zu leisten. Auch hier leistet der Freistaat jetzt schon seinen Beitrag. Gemeinsam mit Wissenschaftsminister Bernd Sibler konnte meine Vorgängerin Ingrid Heckner insgesamt rund 5,1 Millionen Euro auf mehrere Jahre verteilt an Zuschuss erreichen, im vergangenen Jahr konnte ich gemeinsam mit Bernd Sibler einmalig 750.000,- Euro erreichen und in der Folge nun auf weitere Jahre verteilt nochmals rund 5,5 Millionen Euro. In der Summe unterstützt der Freistaat die Investitionen in das Laborgebäude am Campus Burghausen also mit beinahe 12 Millionen Euro. Der Freistaat beteiligt sich also schon jetzt. Ich denke, dass wir die Frage, inwieweit Bayern die kommunalen Standorte der regionalisierten Hochschulen in Zukunft unterstützt, losgelöst von einzelnen Standorten in der Gesamtheit betrachten müssen. Natürlich mit dem Ziel, dass der Freistaat hier komplett in die Finanzierung einsteigt. Das betrifft ja nicht nur Burghausen, sondern auch andere Standorte quer durch Bayern.

 

  1. Apropos nachhaltig: Ein Fokus ihrer Landtagsarbeit liegt auf der Umweltpolitik. Die Energiewende ist in aller Munde, einhergehend mit einem Wechsel von der kohlenstoff- auf eine wasserstoffbasierte Wirtschaftsweise. Sie sind seit Jahren schon ein Verfechter der Wasserstofftechnologie. Warum?

 

Die Stromversorgung in Bayern steigt mehr und mehr auf regenerative Energien um, die starken Erzeugungsschwankungen unterworfen ist. Umso mehr wächst die Bedeutung von Speichern. Vor allem saisonalen Speichern kommt eine Schlüsselrolle zu. Herkömmliche Speicheroptionen, wie Pumpspeicher oder Batteriespeicher, stoßen schnell an Kapazitätsgrenzen. Wenn wir den enormen Speicherbedarf decken wollen, kommen wir nicht an der Power-to-Gas Technologie vorbei. Wasserstoff wird als Schlüsselelement der Sektorenkopplung zukünftig elektrische Energie, Verkehr, Wärme und industrielle Produktion verbinden. So können wir die Erneuerbaren auch in Sektoren nutzen, die sich nicht oder nur sehr schwer direkt elektrifizieren lassen. Technologische Zukunftslösungen für den Klimaschutz politisch bis zur Wirtschaftlichkeit zu begleiten – darin sehe ich meine Aufgabe.

 

  1. Was bedeutet dieser Systemwechsel für das Bayerische Chemiedreieck?

 

Diese Transformation ist praktisch ein Strukturbruch für unsere ganze Region. Wir sind auf dem Weg diesen zu bewältigen. Weg von der kohlenstoffbasierten Wirtschaft hin zu regenerativ und klimaneutral. Deswegen brauchen wir neben einer stabilen und bezahlbaren Versorgung mit Strom das gleiche auch beim Wasserstoff. Die globale Wasserstoffwirtschaft nimmt gerade enorm Fahrt auf und wird weiter an Bedeutung gewinnen. Dadurch werden neue Absatzmärkte für bayerische Hightech-Produkte geschaffen. Es entstehen neue Wertschöpfungsketten, die zum Beispiel für die Produktion von klimaneutralem Flugbenzin bei der OMV in Haiming genutzt werden können. Und das Projekt RHYME von Wacker ist im Prinzip nicht weniger als die Umsetzung klimaneutraler Produktionsprozesse als Vorbild für die gesamte chemische Industrie. Da erarbeiten wir uns in der Region gerade ein enormes Wissen, das wir auch wirtschaftlich nutzen können.

Veränderungen und Umbrüche bringen immer Ungewissheiten mit sich. Mir ist es wichtig, die berechtigten Belange der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu berücksichtigen. Dazu gilt es zum Beispiel Konzepte für die berufliche Aus- und Weiterbildung fortzuentwickeln. Ich bin hierzu mit dem DGB im Gespräch, der auf mich zugekommen ist. Schließlich gehen Studien davon aus, dass bis 2030 bis zu 15.000 zusätzliche Arbeitsplätze in der bayerischen Wasserstoffwirtschaft entstehen könnten. Ein Potential, das wir zum Teil auch bei uns nutzen können!

 

  1. Im Fokus steht die Frage der Bezahlbarkeit und Versorgungssicherheit mit Energie. Sehen Sie diese gelöst, wo könnte es haken – Stichwort Stromtrassen?

 

Die Notwendigkeit einer stabilen und zuverlässigen Energieversorgung des Chemiedreiecks steht außer Frage, auch bei denen, die von neuen Stromtrassen betroffen sind. Dass sie sich dabei für eine möglichst verträgliche Trassenführung einsetzen, ist absolut legitim. Zur sicheren Versorgung mit Energie gehört in Zukunft nicht nur der Strom, sondern auch der Wasserstoff. Und der bietet Vorteile: Die Leitungsverluste beim Transport über große Strecken sind geringer als beim Strom. Pipelines finden höhere Akzeptanz als Stromtrassen. Aber um nicht falsch verstanden zu werden: es geht mir nicht um ein entweder oder. Wir brauchen beides. Und deswegen ist neben der sicheren Stromversorgung auch die sichere Versorgung mit Wasserstoff zu gewährleisten.

 

  1. Und wie stehen Sie zu Brückentechnologien wie Gaskraftwerken? Ist sogar eine Rückkehr zur Atomkraft möglich, worüber ihr Parteifreund Tobias Windhorst jüngst laut nachgedacht hat?

 

Auch wenn ich mir langfristig eine völlige Abkehr von fossilen Energieträgern erhoffe – zur Wahrheit gehört, dass Gaskraftwerke zur Netzstabilisierung aktuell unumgänglich sind. Insgesamt vier Gaskraftwerke mit einer Gesamtleistung von 1.200 MW sollen ab Herbst 2022 in Betrieb gehen und zur Systemstabilität Süddeutschlands beitragen. Sie entstehen neben Leipheim und Irsching an den Standorten Biblis (Hessen) und Marbach (Baden-Württemberg). Als Sicherheitsinstrument für kritische Netzsituationen sollen sie nicht am regulären Strommarkt teilnehmen. Sie sind daher keine Konkurrenz zum Ausbau erneuerbarer Energien. Doch wir müssen davon ausgehen, dass wir bei der fluktuierenden Energieproduktion und derzeit fehlenden Speicheroptionen auch über 2030 hinaus auf Gaskraftwerke setzen müssen. Insbesondere zur Abdeckung von Lastspitzen bei Extremwetterlagen.

Eine Rückkehr zur Atomkraft ist für mich keine Option. Der Atomausstieg wurde 2011 parteiübergreifend beschlossen. Alois Glück, unser langjähriger CSU-Fraktionsvorsitzender im Landtag, hat damals eine Enquete-Kommission auf Bundesebene geleitet mit dem Motto „Energiewende – vom Konfliktthema zum Gemeinschaftsprojekt.“ Daran sollten wir uns weiterhin orientieren. Auch die Frage der sicheren Endlagerung ist nicht gelöst – weltweit. Im Atommüllendlagergesetz des Bundes wird als Voraussetzung für die Endlagerung die Sicherheit für 1 Million Jahre gefordert. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, was das heißt. Die Halbwertszeit des Atommülls beträgt 24.000 Jahre. Nach 24.000 Jahren ist die Strahlung also nur noch halb so stark wie heute. Wenn wir hier den Ausstieg nicht umsetzen, hinterlassen wir den nachfolgenden Generationen eine unglaubliche Bürde -auch wenn ich die Herausforderung sehe, dass viele andere Staaten diese Einschätzung nicht teilen.

 

  1. Welche Forderungen haben Sie bezüglich der offenen Energiefragen an die neue Bundesregierung?

 

Richtschnur bei der Energieversorgung muss immer das energiepolitische Dreieck sein: Sicher-bezahlbar-ökologisch. Die steigenden Energiekosten sind für die Menschen eine große Belastung – sei es für die Pendlerinnen und Pendler auf dem Weg zum Arbeitsplatz, sei es für die Familien beim Energieverbrauch im Haushalt oder für Mittelstand und Industrie als Produktionskostenfaktor. Ich erwarte von der neuen Bundesregierung, dass sie gegensteuert. Zum Beispiel mit einer Erhöhung der Pendlerpauschale, der Abschaffung der EEG-Umlage und der Senkung der Stromsteuer. Und auch auf europäischer Ebene muss die Bundesregierung diese Punkte vertreten. Der CO2-Zertifikatehandel ist ein sinnvolles, weil marktwirtschaftliches, Instrument, um den CO2-Ausstoß zu verringern. Unser Standort lebt vom Export. Deshalb muss der CO2-Preis so gestaltet sein, dass unser Standort auch international wettbewerbsfähig bleiben kann. Wir brauchen einen Industriestrompreis von 4 Cent für die Kilowattstunde Strom. Dann klappt auch die Umstellung auf die stromintensive Wasserstoffwirtschaft!

 

  1. Und gibt es auch Wünsche darüber hinaus, etwa infrastruktureller Natur?

 

Um nochmal zu meinem Kernthema Wasserstoff zu kommen: Der zur Herstellung von grünem Wasserstoff benötigte Strom aus erneuerbaren Energien wird nicht allein in Bayern erzeugt werden können. Aufgrund der natürlichen Rahmenbedingungen haben andere Regionen in Deutschland und in der Welt günstigere Ausgangsbedingungen. Das Aufstellen von Offshore Windparks in Küstenregionen oder der Bau großflächiger Photovoltaikanlagen in sonnenstarken und dünn besiedelten Regionen sind zwei Beispiele. Die Arbeitsteilung wird lauten: Bayern entwickelt die weltweit führenden Wasserstofftechnologien und unsere künftigen Partner nutzen sie für die Erzeugung, den Transport und die Verwendung von grünem Wasserstoff. Aktuell gibt es noch eine Infrastrukturlücke. Dafür braucht es zeitnahe Antworten der Bundesregierung sowie auf europäischer Ebene, zum Beispiel beim Aufbau einer europäischen Wasserstoff-Infrastruktur mit der Nutzung bestehender oder dem Bau neuer Pipelines. Die Anbindung über Triest und Koper könnte hier genauso genutzt und gestärkt werden wie auch über Kelheim.

 

  1. Herr Huber, 2023 sind Landtagswahlen. Werden Sie wieder kandidieren?

 

Meine Aufgabe im bayerischen Landtag erfüllt mich mit großer Freude. Die Arbeit in den beiden Ausschüssen – dem Umweltausschuss und dem Europaausschuss, in dem ich vor kurzem auch einstimmig zum stellvertretenden Ausschussvorsitzenden gewählt wurde – bieten gute Möglichkeiten, die Anliegen unserer Region einzubringen und den Weg des Chemiedreiecks auf dem Weg zur noch stärkeren Verbindung von Wirtschaft und Nachhaltigkeit zu begleiten und zu gestalten. Wenn mich der CSU-Kreisverband und die Delegierten wieder unterstützen, stehe ich gerne wieder zur Verfügung.

 

  1. Aktuell sind Sie, nach dem Rückzug ihres Kollegen Marcel Huber aus dem Kreis Mühldorf, der einzige Vertreter der Inn-Salzach-Region im Maximilianeum. In der vergangenen Legislatur waren Sie zu viert. Ist das zum Nachteil der Region?

 

Der Rückzug von Marcel Huber ist zutiefst bedauerlich, auch weil ich sehr gut und vertrauensvoll mit ihm zusammengearbeitet habe. Er war ein menschlich äußerst angenehmer Kollege. Natürlich wären wir alle froh, wenn er weiterhin die Region im Landtag unterstützen könnte. Ich habe aber bereits mit dem nachgerückten Kollegen Andreas Lorenz aus München gesprochen und ihn mit den gemeinsamen Themen unserer Region vertraut gemacht, die er auch unterstützen wird. Zahlenmäßig sind wir also nicht weniger! Darüber hinaus arbeiten wir in der Region auch mit den beiden Landräten Max Heimerl und Erwin Schneider sowie mit unserem Bundestagsdirektabgeordneten Stephan Mayer eng zusammen.

 

  1. Wie kann der hiesige Einfluss wieder vergrößert werden?

 

Wir sollten uns nicht unnötig klein machen, sondern selbstbewusst unsere Interessen vertreten. Wenn ich sehe, dass praktisch in jeder Kabinettssitzung, in der es um Energie, Infrastruktur und Wasserstoff geht, explizit auch das Chemiedreieck, der Landkreis Altötting und Burghausen im Mittelpunkt stehen, dann zeigt das, welchen Stellenwert unsere Region in der Staatsregierung hat. Unser Ministerpräsident Markus Söder hat mit seiner Hightech-Agenda ein Zukunftsprogramm entworfen, das 1:1 zu unserer Region passt. Forderungen nach dem Aufbau einer europäischen Wasserstoffinfrastruktur für die Versorgung Bayerns wurden in der gemeinsamen Kabinettssitzung Bayerns und Sachsens besprochen. Wörtlich heißt es dazu im Kabinetts-Bulletin: „Hierbei sind insbesondere die Bedarfe beim Aufbau regionaler Wasserstoffcluster (Burghausen, Chemnitz, Ingolstadt, Leipzig und die Metropolregion Mitteldeutschland, Meißen sowie die Lausitz) zu berücksichtigen.“ Vor diesem Hintergrund sollten wir also nicht unzutreffenderweise den Eindruck von mangelndem Einfluss der Region erwecken.

 

Welches wäre Ihr Wunschergebnis bei den Wahlen 2023, glauben Sie wie Edmund Stoiber an die Möglichkeit der absoluten CSU-Mehrheit?

Wahlen sind ja kein Wunschkonzert sondern der Wettstreit um die besten Ideen für unsere Heimat. Wenn wir als CSU gute Konzepte vorlegen, dann werden uns die Menschen auch vertrauen. Spekulationen über Prozentergebnisse bringen uns da nicht weiter und halten uns eher von der Arbeit ab. Statt einen Blick in die Glaskugel zum Spekulieren werfe ich lieber einen Blick in den politischen Werkzeugkasten zum Arbeiten.